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Endstation für Vorurteile: «In SBB Zügen gibt es immer weniger Sitzplätze»
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Endstation für Vorurteile: «In SBB Zügen gibt es immer weniger Sitzplätze»

Sitzplatz? Fehlanzeige! «Die Züge sind immer voll, und immer mehr Menschen müssen während der Fahrt stehen.» Aber stimmt das wirklich? Spoiler: Nein. Hier kommen die Fakten – und fünf Tipps, um einen Sitzplatz zu finden.

Rahel Meile (Text)URS FLUEELER, SBB CFF FFS (Fotos)

Wie viele Sitzplätze gibt es im Schnitt?

Die Zahl mag Pendler:innen überraschen, doch über 70 Prozent der Plätze sind über den Tag verteilt gesehen frei. Anders formuliert: Es gibt also durchschnittlich fast drei freie Plätze pro Viererabteil. Zwar ist Auslastung der Züge ist in den letzten Jahren gestiegen, von 2000 bis 2025 um rund 5,5 Prozent. Gleichzeitig hat sich die durchschnittliche Sitzplatzbelegung nur leicht erhöht; sie lag 2025 bei knapp 28 Prozent. Das hat damit zu tun, dass seit der Jahrtausendwende die durchschnittliche Anzahl Züge pro Strecke und Tag um fast zwei Drittel zugenommen hat.

Warum haben also viele Pendler:innen trotzdem das Gefühl, oft stehen zu müssen? Weil sich der grosse Teil der täglichen Nachfrage in der Tat auf die wenigen Stunden der Hauptverkehrszeit konzentriert:

  • am Morgen auf dem Weg in die grossen Zentren
  • am Abend in Gegenrichtung

Die ungleiche Verteilung zeigt diese Animation eindrücklich:

Eine Animation zeigt die Verteilung über den Tag und pro Strecke. Zu den Stosszeiten deutlich mehr in den Ballungszentren.
Quelle: SBB/CFF/FFS

Doch nicht nur Pendler:innen, sondern auch Freizeitreisende vermissen je nachdem freie Sitzplätze. Denn neben der Uhrzeit haben auch der Wochentag, Grossanlässe wie Messen, Festivals oder Sportevents, das Wetter sowie die Saison (Sommer/Winter) spürbaren Einfluss auf die Belegung.

Was macht die SBB, um mehr Sitzplätze zu schaffen?

Die SBB reduziert Engpässe mit verschiedenen Massnahmen:

  • Zusätzliche Pendlerzüge: Wo möglich, verdichtet die SBB den Takt zu den Stosszeiten.
  • Lenkung der Fahrgastströme mit Sparbilletten: So motiviert die Reisende, auf weniger stark ausgelastete Züge auszuweichen.
  • Mehr moderne Fahrzeuge mit höherer Gesamtkapazität. Die SBB investiert dafür pro Jahr rund eine Milliarde Franken. Auf längeren Strecken sollen Reisende sitzen können. Auf kurzen Strecken gibt es Reisende, die lieber stehen wollen – dafür braucht es sogenannte Multifunktionszonen beim Eingang, die ein schnelleres Ein- und Aussteigen ermöglichen.
  • Jährliche Optimierung des Fahrplans per Mitte Dezember und mehr Verbindungen pro Stunde auf stark genutzten Strecken.
  • Anpassungen an Bahnhöfen: Perronverlängerungen auf 400 Meter ermöglichen Einsätze von 400 Meter langen FV-Dosto Zügen mit bis zu 1300 Sitzplätzen. Im Vergleich dazu hat ein IC2000 Zug mit der maximalen Anzahl angehängten Wagen nur 900 – 1000 Sitzplätze.

Ausbauprojekte aus verschiedenen nationalen Bauprogrammen. Mehr Informationen dazu auf der SBB Seite «Nationale Bauprogramme | SBB».

Warum hängt die SBB nicht einfach ein paar Wagen mehr an?

Immer wieder kommt die Frage: Warum hängt die SBB nicht einfach ein paar Wagen an? Das ist leider nicht so einfach wie es klingt: Die maximale Zuglänge hängt von der Länge der Perrons in den Bahnhöfen ab. Ohne Perron würden Fahrgäste im Gleisfeld landen. Doch das Aussteigen ist dort verboten, da es gefährlich ist. Allgemein ist das Anhängen von Wagen aufgrund von technischen, betrieblichen und organisatorischen Einschränkungen eine kniffelige Angelegenheit.

5 Tipps, um einen Sitzplatz zu finden:
  1. Vor jeder Reise Belegungsprognosen prüfen

In der App SBB Mobile und auf sbb.ch werden für alle Verbindungen Auslastungsprognosen pro Wagen angezeigt. Diese geben eine Orientierung, ob mit einer geringeren oder höheren Belegung zu rechnen ist, und erleichtern die Wahl einer passenden Verbindung.

  1. Reisezeiten leicht verschieben

Bereits kleine zeitliche Verschiebungen haben Wirkung. Verbindungen kurz vor oder nach den klassischen Stosszeiten sind häufig spürbar weniger ausgelastet und bieten mehr freie Sitzplätze.

  1. Alternative Verbindungen prüfen

Nicht immer hat die direkteste und schnellste Verbindung die meisten Sitzplätzen. Langsamere Züge (z.B. IR statt IC), Umsteigeverbindungen oder alternative Routen (z.B. Gotthard Panoramastrecke statt Gotthard-Basistunnel) bieten manchmal mehr Platz und eine entspanntere Reise. Entlastungszüge während der Stosszeiten oder der Feiertage, die nicht im Taktfahrplan eingebunden sind, sind im Online-Fahrplan angegeben.

  1. Auf dem Perron verteilen

Wenn möglich am Zuganfang oder Zugende einsteigen. Die Zugformation im Online-Fahrplan zeigt, in welchen Wagen eine besonders hohe Belegung erwartet wird.

  1. Sitzplatz reservieren

Auf zahlreichen Fernverkehrsverbindungen sind Sitzplatzreservationen möglich. Diese sind besonders sinnvoll während der Hauptverkehrszeiten, an Wochenenden und vor Feiertagen und auf stark nachgefragten Strecken. Weitere Infos: sbb.ch/reservation.

Reisetipps: Clever unterwegs mit dem Zug | SBB
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